Sachsen-Anhalt wählt blau, und Berlin reagiert mit dem gewohnten Mix aus Schnappatmung und moralischer Belehrung. Clara Falkenstein über den Triumph der AfD und das Scheitern einer Elite, die lieber Brandmauern baut, als Realitäten anzuerkennen. Man spricht in Berlin gerne von „Angst“ oder „Abgehängten“, wenn die Wähler in der Provinz den Gehorsam verweigern. Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist eine Zäsur: Wenn eine Partei in allen 218 Gemeinden eines Bundeslandes stärkste Kraft wird, ist dies kein Ausrutscher mehr. Die AfD hat das traditionelle Parteiensystem deklassiert, während die CDU unter den Trümmern ihrer einstigen Volkspartei-Herrlichkeit begraben wird.
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Sachsen-Anhalt: Die Rache der ignorierten Provinz
Sachsen-Anhalt wählt blau, und Berlin reagiert mit dem gewohnten Mix aus Schnappatmung und moralischer Belehrung. Clara Falkenstein über den Triumph der AfD und das Scheitern einer Elite, die lieber Brandmauern baut, als Realitäten anzuerkennen.
Wenn die Ränder so stark werden, dass die Mitte als Anhängsel existiert, hat das System ein tieferliegendes Problem. Die CDU, die sich als konservatives Bollwerk neu erfinden wollte, wirkt in Sachsen-Anhalt wie ein Relikt. Es wird Arbeitskreise geben und den „Dialog suchen“, am Ende wird man feststellen, dass man die Menschen „noch besser mitnehmen“ müsse. Diese Floskel ist eine Beleidigung für jeden mündigen Bürger. Sie impliziert, der Wähler sei ein Kleinkind. Doch in Sachsen-Anhalt sind die Menschen losgelaufen – sie sind nicht falsch abgebogen, sie sind woanders hingegangen. Wer das nicht begreift, wird bei der nächsten Wahl zusehen müssen, wie die Brandmauer zum Denkmal für eine verpasste Umkehr wird. Moral ersetzt keine Wählerstimmen. Die Empörung der Hauptstadt ist die Lebensversicherung derer, die sie bekämpfen will. Solange man im Berliner Regierungsviertel glaubt, Sachsen-Anhalt durch Zürnen bekehren zu können, wird der Triumphzug der AfD weitergehen. Man könnte meinen, die Verächter des Ergebnisses seien die besten Wahlhelfer der Partei, die sie so ablehnen.
Wer den Wählerwillen ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn der Wähler die Regierung ignoriert. Das ist dann keine Sorge mehr, sondern Konsequenz.
Berliner Sorge, Provinz lacht
Die 43,8 Prozent sind auch da und gehen nicht weg, egal wie besorgt wir sind. Das ist das Gemeine an der Realität: Sie schert sich nicht um unsere Sorgen.Aber so ist sie nun mal. Wir werden es überleben. Hoffentlich. Wenn nicht, haben wir wenigstens eine gute Haltung gehabt. Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben ihre Antwort gegeben. Und die war laut. Sehr laut. Fast schon ohrenbetäubend. Aber wir haben ja unsere Brandmauer. Die dämpft den Lärm. Ein bisschen. Zumindest bilden wir uns das ein. Den vollständigen Hintergrund, Szenarien und die Methoden-Box lesen Kompass+-Mitglieder weiter.
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