PISA-Debakel: Wenn Dummheit sich resilient anfühlt

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    PISA-Debakel: Wenn Dummheit sich resilient anfühlt

    Deutschland stürzt bei PISA ab, doch statt einer Rückkehr zur Leistung setzt die Bildungspolitik auf Wohlbefinden und Noteninflation. Clara Falkenstein über den kultivierten Niedergang.

    Clara Falkenstein Stand: Dienstag, 08.09.2026 | 12:26 Lesedauer: 2 Min.

    Es gibt Momente in der deutschen Bildungsdebatte, da möchte man den Beteiligten eine rote Pappnase aufsetzen und sie direkt in die Manege schicken. Wenn die neuesten PISA-Ergebnisse eintreffen, folgt stets das gleiche Trauerspiel: Experten zeigen sich „erschüttert“, Bildungspolitiker fordern „mehr Mittel“, und die Gewerkschaften erklären, dass eigentlich alles an den fehlenden Lehrern liegt.

    Es ist ein ritueller Tanz um das goldene Kalb der Mittelmäßigkeit. Während man in den Kultusministerien noch darüber streitet, ob man das Scheitern nun als „Herausforderung“ oder als „Lernchance“ framen soll, haben die Schüler bereits verlernt, einen Dreisatz ohne Taschenrechner zu lösen oder einen fehlerfreien Satz zu formulieren. Wir beobachten den schleichenden Abschied von der Leistungselite. Die Realität ist, dass das deutsche Bildungssystem mit voller Absicht und bester Laune gegen die Wand gefahren wurde. Die Ergebnisse sind heute schlechter als vor einem Vierteljahrhundert, als der erste PISA-Schock die Nation wachrüttelte. Statt zum Lernen zurückzukehren, hat man Wissen durch „Kompetenzen“ ersetzt und Disziplin durch „selbstgesteuertes Lernen“. Das Ergebnis ist ein historischer Tiefstand in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz.

    Dies ist die Quittung für eine Politik, die geglaubt hat, man könne Bildung dadurch demokratisieren, dass man die Hürden absenkt.

    Flucht in pädagogische Watte

    Besonders grotesk wird es, wenn sich die klassischen Kernkompetenzen verschlechtern und man auf weichere Ziele ausweicht. Man spricht plötzlich von „emotionaler Resilienz“, „Selbstwirksamkeit“ oder „psychologischem Wohlbefinden“. Dies klingt modern, hat aber mit dem Handwerk der Wissensvermittlung wenig zu tun. Wenn ein Schüler nicht rechnen kann, sich dabei aber emotional resilient fühlt, scheint dies für manche Bildungsplaner bereits ein Erfolg zu sein. Diese Entwicklung geht einher mit einer Noteninflation. Während die tatsächlichen Kompetenzen sinken, explodiert die Zahl der 1,0-Abiture. Ein Abiturzeugnis ist heute oft nicht mehr wert als eine Teilnahmebescheinigung. Die Leidtragenden sind die jungen Menschen selbst, die mit guten Zeugnissen in eine Arbeitswelt entlassen werden, in der man von „Resilienz“ allein keine Brücken bauen oder Software programmieren kann. Ein weiterer Aspekt ist das selbstgesteuerte Lernen.

    Man lässt die Kinder machen, in der Hoffnung, dass ihre Neugier sie zu den binomischen Formeln führt. Die Forschung zeigt, dass dieser Ansatz gerade für schwächere Schüler katastrophal ist. Sie brauchen Führung, Struktur und einen Lehrer, der erklärt. Stattdessen wurde der Lehrer zum „Lernbegleiter“ degradiert. Die Debatte wird, wie üblich, ohne Konsequenzen bleiben. Man wird Arbeitsgruppen gründen, Lehrpläne weiter entschlacken und darauf hoffen, dass die nächste Studie gnädiger ausfällt. Solange nicht über Disziplin, Fleiß und harte Fakten gesprochen wird, versinkt die Intelligenz der nächsten Generation im Morast pädagogischer Beliebigkeit. Den vollständigen Hintergrund, Szenarien und die Methoden-Box lesen Kompass+-Mitglieder weiter.

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