Man stelle sich die Szene vor: In den prunkvollen Sälen Washingtons wird nicht mehr mit diplomatischen Noten taktiert, sondern mit dem digitalen Vorschlaghammer hantiert. Während die europäische Polit-Elite noch über die richtige Definition von „strategischer Autonomie“ grübelt, hat der Mann im Weißen Haus bereits die nächste Zollmauer auf seinem sozialen Netzwerk errichtet. Es gibt ein neues Wort für diese Form der zwischenstaatlichen Kommunikation: „Transaktions-Terrorismus“. Hier wird nicht verhandelt, hier wird erpresst. Dass Donald Trump kein Fan von Freihandels-Lyrik ist, dürfte sich bis in die letzte Amtsstube in Brüssel herumgesprochen haben. Doch die Vehemenz, mit der er nun gegen engste Verbündete ins Feld zieht, besitzt eine neue Qualität. Kanada, das den USA geografisch und kulturell so nahesteht wie kaum ein anderes, sieht sich plötzlich mit 50-prozentigen Zöllen auf Fahrzeuge und Stahl konfrontiert. Premier Mark Carney brach die Verhandlungen ab. Die USA fordern von ihren Partnern Loyalität, während sie die Axt an die Wurzeln des gemeinsamen Wohlstands legen.
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Der digitale Vorschlaghammer: Trumps Zoll-Terror und Europas Ohnmacht
Trump droht mit massiven Zöllen, Kanada geht auf Distanz und Europa sucht verzweifelt nach Autonomie. Clara Falkenstein über die Rückkehr des Protektionismus als Machtinstrument.
Die pauschalen Zölle von zehn Prozent auf EU-Waren sind eine reale Bedrohung für das industrielle Herz des Kontinents. Dies deutet an, dass die USA unter Donald Trump nicht mehr an Partnern, sondern nur noch an Vasallen interessiert sind. In Wien rechnet man bereits mit einem messbaren Rückgang der Wirtschaftsleistung. Was tun „die üblichen Verdächtigen“ in Brüssel und Berlin? Sie reagieren mit der gewohnten Mischung aus moralischer Empörung und bürokratischer Trägheit. Sogar die Energieversorgung Kubas wird zum Ziel der US-Handelspolitik, indem man Öllieferanten mit massiven Aufschlägen droht. Es geht nicht mehr um fairen Wettbewerb, sondern um die totale Kontrolle von Warenströmen als geopolitische Waffe.
Taktik zwischen Drohung und Rückzug
Das eigentlich Faszinierende an Donald Trumps Strategie ist die völlige Unberechenbarkeit. Heute droht er Kanada mit dem wirtschaftlichen Ruin, morgen setzt er die Zölle für drei Tage aus. Dieses Spiel mit der Unsicherheit ist kalkuliert. Es zermürbt die Märkte und zwingt die Regierungen in eine permanente Verteidigungshaltung.Die US-Konzerne selbst, organisiert im Business Roundtable, fordern zwar neue Verhandlungen, doch gegen das politische Urgestein Trump kommen sie kaum an.
Er spielt die Karte des nationalen Interesses radikal. Gleichzeitig offenbart dieser Konflikt den Doppelstandard der amerikanischen Politik. Während man gegenüber Peking Härte demonstriert, werden die engsten Verbündeten mit denselben Methoden drangsaliert. Trump wirft Kanada vor, die Vorteile eines Staates haben zu wollen, ohne einer zu sein. Für Europa bedeutet das: Die Ära, in der man sich auf den großen Bruder jenseits des Atlantiks verlassen konnte, ist endgültig vorbei. Strategische Autonomie ist eine Frage des Überlebens. Es ist eine bittere Pille für alle Freihändler: Der Protektionismus ist das neue Betriebssystem der Weltmacht USA. Die „Tugendwächter“ des freien Marktes müssen schmerzhaft feststellen, dass ihre Theorien in einer Welt der Zölle und Drohungen wenig wert sind. Wir erleben den Abschied von der transatlantischen Romantik. Wenn der amerikanische Präsident via Internet über Milliarden-Zölle entscheidet, ist das die neue Realität. Europa hat nun die Wahl: Entweder es findet zu einer geschlossenen wirtschaftlichen Antwort, oder es wird zum Spielball.
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